„Hallo? Hören Sie mich?“ Ein Schüler des 9. Jahrgangs des Gymnasium Petrinum klopft gegen die Schulter und die Wangen einer Reanimationspuppe, die vor ihm auf dem Boden liegt. Er neigt sich über den Kopf und horcht, ob noch Atem zu hören ist. Nach und nach geht er die Schritte durch, die die Anästhesisten aus dem Prosper-Hospital kurz zuvor noch einmal ins Gedächtnis gerufen haben. Erst prüfen, dann rufen, dann drücken – ein Computerprogramm des Reanimationstrainers zeigt dabei an, ob seine Handgriffe das gewünschte Ziel erreichen.
Rund 110 Schüler:innen und Lehrer:innen des Gymnasium Petrinum wollen die Wiederbelebung von Menschen mit einem Herzstillstand erlernen. In Kleingruppen proben sie an Reanimationspuppen mit integrierter Kontrolleinheit den Ernstfall. Im Rahmen der „Woche der Wiederbelebung“, einer bundesweiten Initiative, hat das Notfallkompetenzteam des Prosper-Hospitals, die Aktion vor einigen Jahren ins Leben gerufen.
Die Ärztinnen und Ärzte der Abteilung für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin stehen bereit, um ihr Wissen an die Schülerinnen und Schüler weiterzugeben. „In einem Notfall muss es schnell gehen. Gerade die ersten Minuten sind für das Überleben des Patienten entscheidend. Wir zeigen den Schülern und Lehrern die einzelnen Schritte und motivieren sie zum Eingreifen. Denn es ist enorm wichtig, sofort etwas zu unternehmen“, erklärt Johannes Neicke, Facharzt für Anästhesie im Prosper-Hospital. Auch die Anwendung eines automatischen externen Defibrillators wurde demonstriert und mit den Schülerinnen und Schülern trainiert.
Johannes Neicke hofft, dass das Projekt noch viele Jahre weitergeführt wird: „Es ist einfach ein großer Schritt in die richtige Richtung, wenn nun wieder so viele junge, engagierte Menschen aus Recklinghausen in einem Notfall eingreifen und theoretisch unser aller Leben retten können.“
Hintergrund zur Initiative: Etwa 136.000 Menschen pro Jahr erleiden in Deutschland einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses. Bei einem Herzstillstand ist es unerlässlich, schnell zu handeln: Bereits nach drei Minuten wird das Gehirn nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt – schnell treten unwiderrufliche Schäden auf. Mit einer einfachen Herzdruckmassage kann der Restsauerstoff im Blut zirkulieren und so bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes die Überlebenswahrscheinlichkeit entscheidend erhöhen.
