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Krampfadern (Varikosis)

Autor: Priv.-Doz. Dr. med Jens Jakschik

geschrieben am: 12.1.2020

Der Begriff Krampfadern (Varikosis) stammt vom mittelhochdeutschen Wort "Krummadern", d.h. krumme, geschlängelte Adern. Eine Krampfader (Varize) ist nicht nur eine geschlängelte, sondern auch eine erweiterte und in ihrer Funktion gestörte Vene.

Wer bekommt Krampfadern?

Eine wesentliche Ursache für dieses Krankheitsbild ist die ererbte Bindegewebsschwäche mit Schwächung der Venenwand und der Venenklappen und einem dadurch verursachten Rückfluß des Blutes in die oberflächlichen und tiefen Beinvenen. Gefördert wird dieses Leiden vor allem durch Übergewicht, häufigem Stehen in gewissen Berufen, Schwangerschaft und Bewegungsarmut. Im Alter zwischen 25 und 74 Jahren weist ca. jeder 2. Europäer eine Varikosis auf.

Die verschiedenen Formen von Krampfadern:

Stammvarikosis

Hierbei ist eine der sog. Stammvenen betroffen. Diese Form verlangt höchste Aufmerksamkeit, da diese, bleibt sie unbehandelt, Komplikationen verursachen kann. Häufig ist die gesamte oberflächliche Stammvene an der Innenseite des Ober- und Unterschenkels betroffen.

Seitenastvarikosis

Seitäste gehen von der Stammvene ab. Liegt oft in Kombination mit einer Stammvarikosis vor.

Besenreiservarikosis / Retikuläre Varikosis  

Es handelt sich um kleinste erweiterte Venen in der Haut. Diese Formen haben i.d. R. nur kosmetische Bedeutung, sie können aber auf eine nicht sichtbare Stammvenenvarikosis hinweisen.

Welche Beschwerden verursachen Krampfadern?

Varikös erweiterte Venen verursachen selbst keine Beschwerden, oder gar Schmerzen. Eine Varikosis kann jedoch durch die mit ihr verbundene venöse Zirkulationsstörung eine Beinschwellung bewirken, die sich durch Spannungsgefühl, oder das Gefühl schwerer Beine oder Muskelkrämpfe bemerkbar machen kann. Krampfadern neigen zu Entzündungen (Varikophlebitis), die sehr schmerzhaft sein können. Oberflächliche Krampfadern können bei Verletzung stark bluten, durch lokale Kompression lässt sich diese Blutung jedoch immer stoppen.

Wann kann eine Varikosis eine Beinschwellung verursachen?

Das Herz pumpt das Blut durch die Arterien in alle Organe und so auch in beide Beine, von wo es in den Venen gegen die Schwerkraft zurück zum Herzen transportiert wird. Für den Rücktransport des Blutes zum Herzen erweist sich die Pumpleistung des Herzens als ungenügend. Diese Aufgabe wird vor allem von der Muskel-Venen-Pumpe übernommen, welche nur bei Beinbewegung aktiv ist. Nach langem Sitzen oder Stehen schwellen die Beine auch bei Venengesunden an.

Bei jeder Muskelkontraktion (Zusammenziehen) werden die tiefen Venen ausgepresst, wodurch das Blut herzwärts gepresst wird. Dies setzt jedoch voraus, daß funktionstüchtige Venenklappen vorhanden sind, die den Rückfluss verhindern (Rückschlagventil). Bei einer tiefen Venenthrombose zum Beispiel werden diese Venenklappen oft zerstört. Die Muskelerschlaffung bewirkt eine Sogwirkung, wodurch das Blut aus oberflächlichen und tiefen Venen nachgeführt wird, um bei der nächsten Muskelkontraktion weiter herzwärts gedrückt zu werden.

Krampfadern haben infolge von Überdehnung schließunfähige, oder gar zerstörte Klappen, wodurch eine umgekehrte Fließrichtung des Blutes entsteht, nämlich anstatt zum Herzen in Richtung Fuß. Durch diesen zusätzlichen Anfall von Blut, wird die Muskel-Venen-Pumpe überlastet, so dass eine vermehrte Blutfülle im unteren Abschnitt des Beines entsteht.

Bei starkem venösen Rückstrom und starker Schwellneigung kann es innerhalb von Jahren zu chronischen Hautveränderungen bis hin zum sog. „offenen Bein“ (Ulcus cruris) kommen. Ein derartiges Ulcus kann sich auch Jahre nach einer Venenthrombose entwickeln.

Was kann man gegen Krampfadern und eine chronische-venöse Insuffizienz tun ?

Man unterscheidet operative und konservative Behandlungsmethoden. Mit welcher Methode behandelt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, die vom behandelnden Arzt mit Ihnen besprochen werden.

Veröden von Varizen (Sklerotherapie)

Mittels Injektion eines Verödungsmittels in die Varize wird eine künstliche Venenentzündung provoziert, was zu einer bindegewebigen Umwandlung der Varize führt. Diese Methode ist risikoarm und belastet den Patienten kaum, bevorzugt bei Seitenast- und Besenreiservarizen (kosmetische Gründe).

Radiofrequenztherapie

Ein neues Verfahren zur Behandlung der Stammvarikosis, bei dem über eine Punktion eine Radiofrequenzsonde (VNUS) eingebracht wird und die Vene durch entstehende Hitze an der Sondenspitze im Rückzugverfahren koaguliert wird.

Operative Therapie

Die chirurgische Entfernung der oberflächlichen Varizen hat zum Ziel, die venöse Funktion zu normalisieren, bzw. zu erhalten. Eine solche Varizenoperation ist technisch einfach, das OP-Risiko ist sehr gering.

Die Varizen werden über Sonden herausgezogen (sog. Stripping) und über kleine Inzisionen entfernt (Seitastvaridektomie, Miniphlebektomie). Die oft gehörte Behauptung, operieren nütze nichts, da sowieso erneut Krampfadern entstehen, stimmt nicht. Zwar bleibt die Neigung zur Krampfaderneubildung nach einer OP bestehen (genetische Veranlagung), jedoch erreicht eine neu auftretende Varikosis selten das gleiche Ausmaß wie vor dem Eingriff.

Kompressionstherapie

Durch Kompression von außen entsteht für die Muskulatur ein Widerlager, wodurch die Förderleistung der Muskel-Venenpumpe verbessert wird. Anwendung finden Kompressionsstrümpfe, die von einem Fachmann individuell angepasst werden müssen. Bei täglichem Tragen und richtiger Pflege sollte der Strumpf nach ½ Jahr ersetzt werden, weil er dann an Druckkraft verliert und seine Aufgabe nicht mehr voll erfüllen kann. Nach einer Varizen-OP werden die Strümpfe in der Regel 6 Wochen getragen.

Medikamentöse Therapie

Es sind viele venentonisierende Medikamente auf dem Markt, die jedoch nicht in der Lage sind, die genannten Behandlungsmethoden zu ersetzen.

Kontakt

Chirurgie

Chefarzt der Chirurgie Priv.-Doz. Dr. med. Jens  Jakschik

Priv.-Doz. Dr. med. Jens Jakschik

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