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Hüftgelenkarthrose und Hüftkopfnekrose

Autor: Prof. Dr. med. Ralf H. Wittenberg

geschrieben am: 06.07.2020

Das Hüftgelenk ist nach dem Kniegelenk das zweitgrößte Gelenk des Körpers. Es erlaubt als sogenanntes Kugelgelenk prinzipiell Bewegungen in allen Raumrichtungen. Limitiert werden diese durch die das Hüftgelenk umfassenden und stabilisierenden Strukturen wie die Muskulatur, die Gelenkkapsel und die Bänder.

Als Bindeglied zwischen dem Oberkörper und den Beinen hat es entwicklungsgeschichtlich herausragende Bedeutung für den aufrechten Gang.

Aufgebaut ist das Gelenk aus dem kugelförmigen Ende des Oberschenkelknochens und der Pfanne, die vom Beckenknochen gebildet wird. Die beiden Oberflächen der Gelenkpartner sind mit Knorpel überzogen, um ein besseres Gleiten zu gewährleisten. Zwischen diesen beiden Knorpelschichten befindet sich der sogenannte Gelenkspalt, der mit einer Schmierflüssigkeit aufgefüllt ist, die wiederum die Gleitfähigkeit nochmals verbessert und für die Ernährung des Knorpels sorgt.

Wird dieses System gestört, sei es durch äußere oder innere negative Einflüsse, so kommt es zu einer zunehmenden Schädigung der Gelenkpartner und es entwickelt sich die sogenannte Hüftgelenkarthrose. Man unterscheidet dabei die primäre (schicksalhafte) von der sekundären Form, deren Ursache angeborene Fehlbildungen (Dysplasie), unfallbedingte Fehlstellungen oder auch Stoffwechselstörungen (Rheuma) sein können. Allen gemeinsam ist der initiale Aufbrauch des Knorpels mit nachfolgender Überbeanspruchung des Hüftkopfknochens.

 

Hüftgelenkarthrose mit Aufbrauch des Gelenkspaltes, Verformung des Kopfes und erheblichen knöchernen Ausziehungen

Darüber hinaus kann auch der eigentliche Hüftkopfknochen für Schmerzen im Hüftgelenk verantwortlich sein, wenn dieser abstirbt. Dann spricht man von einer Hüftkopfnekrose. Auch wenn man bei der Entstehung der Hüftkopfnekrose von einer Durchblutungsstörung ausgeht, ist die Ursache noch nicht letztlich geklärt. Allerdings gibt es Erkrankungen, die häufig mit der Entstehung einer Hüftkopfnekrose in Verbindung gebracht werden, wie z.B. Störungen des Fettstoffwechsels, Autoimmunerkrankungen oder der Zustand nach einem Hüftkopfbruch.

Auch ist bekannt, dass Hüftkopfnekrosen nach längeren Therapien mit Kortison oder Chemotherapeutika (im Rahmen einer Krebsbehandlung) auftreten können. Des weiteren stellen übermäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum Risikofaktoren für die Entstehung einer Hüftkopfnekrose dar.

Die Diagnose einer Hüftgelenkarthrose und einer Hüftkopfnekrose erfolgt per Röntgenaufnahmen. Auch kann die Durchführung einer Schnittbilduntersuchung (MRT) sinnvoll sein, gerade um eine beginnende Hüftkopfnekrose zu erkennen, die auf Röntgenbildern noch nicht sichtbar ist.

Hüftkopfnekrose bds., links ausgeprägt, rechts initial in der Hauptbelastungszone

Beschwerden

Zu Beginn einer Hüftgelenkarthrose stehen Schmerzen, insbesondere im Bereich der Leiste, im Vordergrund. Die Schmerzen können aber auch über den Oberschenkel bis in das Knie ausstrahlen und somit einen Knieschaden vortäuschen.

Sie treten zunächst als morgendlicher Anlaufschmerz auf, der nach einer Einlaufphase wieder verschwindet und sich am Abend, nach entsprechender körperlicher Belastung, wieder einstellt. Oft ist auch der Nachtschlaf, insbesondere bei unruhigem Schlaf, gestört.

Im weitern kommt es dann zu permanenten Schmerzen, verbunden mit Bewegungseinschränkungen , so dass zunehmend die Alltagsmobilität eingeschränkt ist. So ist z.B. häufig das An- und Ausziehen der Schuhe nicht mehr möglich, dass An- und Auskleiden der Beinkleider ist erschwert.

Schlimmstenfalls können diese Einschränkungen in einer sozialen Isolation münden, wenn die häusliche Umgebung nicht mehr verlassen werden kann.

Unabhängig davon kommt es als Folge der Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Verlauf zu einer Überlastung der angrenzenden Knochen-Gelenkstrukturen wie Kniegelenk und Lendenwirbelsäule sowie zu einer Verminderung der hüftgelenkumgreifenden Muskulatur

Konservative Therapieverfahren

Am Beginn bieten sich bei moderaten Schmerzen und Bewegungseinschränkungen die Einnahme von schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten an. Auch können entsprechende Spritzen an oder in das Gelenk zu einer Beschwerdelinderung führen.

Zur Erhaltung der Beweglichkeit und Kraft bzw. um diese zu verbessern, ist es sinnvoll Krankengymnastik zu machen und sich, soweit möglich, sportlich zu betätigen . Dabei bieten sich z.B. gelenkschonende Sportarten wie Fahrradfahren oder auch Schwimmen an. Um die auf das Hüftgelenk einwirkende Druckbelastung zu reduzieren ist es unter Umständen sinnvoll, Schuhe mit weichen Sohlen oder Pufferabsätzen zu tragen.

  

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