Krebsfrüherkennung und –vorsorge kann Leben retten!

Haus- und Fachärzte beraten zu wichtigen Kontrollen

Eine Krebserkrankung ist für alle Betroffenen ein Schicksalsschlag, der zunächst mal das ganze Leben auf den Kopf stellt. Krebs kann an verschiedenen Stellen im Körper entstehen, Zellen verändern und dabei gesundes Gewebe zerstören. Häufig werden dadurch dann wichtige Organfunktionen eingeschränkt. Wird Krebs in einem Frühstadium erkannt oder gar bevor er entsteht, sind die Heilungschancen bei den meisten Krebsarten um ein Vielfaches höher. Experten des Stiftungsklinikums PROSELIS raten deswegen: Teilen Sie Auffälligkeiten an Ihrem Körper umgehend Ihrem behandelnden Arzt mit und gehen Sie zu Vorsorgeuntersuchungen. Die Kosten für die Untersuchungen übernehmen die Krankenkassen und die Teilnahme ist freiwillig.

 

Das Krebsfrüherkennungsprogramm in Deutschland kann Jeder ab einem bestimmten Alter nutzen und umfasst Untersuchungen zu fünf verschiedenen Krebsarten. Dazu gehören Brustkrebs, Darmkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Hautkrebs und Prostatakrebs.

 

Wir wollen drei Krebsarten näher betrachten.

 

Gebärmutterhalskrebs

Gebärmutterhalskrebs wird vor allem durch die Infektion mit den Humanen Papillomviren (HPV), die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, ausgelöst. Weiterer Risikofaktor ist zum Beispiel das Rauchen.

„Die Gewebeveränderung bei Gebärmutterhalskrebs entsteht in mehreren Stufen häufig als Folge von Virusinfektionen, so dass Krebsfrüherkennung hier besonders wirksam sein kann“, erklärt Dr. med. Matthias Losch, Chefarzt der Gynäkologie und Leiter des Zertifizierten Gynäkologischen Krebszentrums im Stiftungsklinikum PROSELIS.

„Alle Kinder und Jugendlichen (sowohl Jungen als auch Mädchen) sollten sich zudem gegen das humane Papillomavirus impfen lassen und dies am besten zwischen dem 9. und 14. Lebensjahr, also vor dem ersten Sexualkontakt.“

Ab dem 20.Lebenjahr beginnt das Programm zur Früherkennung von Zervixkarzinomen.
Der Gynäkologe untersucht dabei die inneren und äußeren Geschlechtsorgane und entnimmt einen Zellabstrich (Pap-Abstrich). Diese Untersuchung wird jährlich wiederholt. Ab dem 35. Lebensjahr wird die Vorsorgeuntersuchung um eine Untersuchung auf humane Papillomaviren ( HPV-Test) ergänzt und  erfolgt dann nur noch alle drei Jahre. Solange  keine HPV-Infektion vorliegt, ist die Entstehung eines Zervixkarzinoms annähernd ausgeschlossen.

„Ziel des Krebsfrüherkennungsprogramms ist das frühzeitige Erkennen von Krebsvorstufen, noch bevor ein Karzinom in tiefere Gewebsschichten vordringt und sich im Körper ausbreitet.“

 

 

Prostatakrebs

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Risikofaktor ist vor allem das Alter. Sind allerdings der Vater oder der Bruder an Prostatakrebs erkrankt, steigt das Risiko. Männer ab dem 45. Lebensjahr können einmal jährlich eine Tastuntersuchung der Prostata durch den Enddarm vornehmen lassen. Diese Tastuntersuchung wird allerdings unterschiedlich bewertet. Ihr Vorteil ist, dass sie schnell und unkompliziert durchgeführt werden kann. Der Nachteil ist, dass die Untersuchung nicht zuverlässig ist. „Nur ein Drittel der tatsächlich vorhandenen Prostatakarzinome wird so erkannt und häufig ist der Krebs dann schon in einem fortgeschrittenen Stadium“, erklärt PD Dr. med. Marko Brock, Chefarzt der Urologie und Leiter der Uroonkologischen Zentrums im Stiftungsklinikum PROSELIS. Der PSA-Test, bei dem mit einer Blutprobe das prostataspezifische Antigen bestimmt wird, muss selbst gezahlt werden, da er nicht zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm gehört. Mit einer Blutabnahme ist auch diese Untersuchung recht unkompliziert. Die Ergebnisse dauern allerdings einige Tage und bei einem auffälligen Test muss das Procedere noch einmal wiederholt werden. Außerdem sollten Patienten wissen, dass nicht nur bösartige Tumore den PSA-Spiegel erhöhen, sondern auch eine gutartig vergrößerte Prostata oder Entzündungen. Außerdem wird der PSA-Wert leicht beeinflusst, da die Prostata zum Beispiel auf Druck reagiert. Daher kann sich der Wert durch eine vorangegangene Tastuntersuchung verändern, oder z.B. auch durch Fahrradfahren oder Geschlechtsverkehr (ca. 48 Stunden vor der Untersuchung). „Allerdings kann die Untersuchung Tumore in einem frühen Stadium erkennen. Eine Abwägung aller Vor- und Nachteile sollte vor der Untersuchung stattfinden. Hier sind der behandelnde Urologe oder der Hausarzt gute Ansprechpartner“, so Brock.
Die Deutsche Gesellschaft für Urologie empfiehlt nach Aufklärung der Männer einen PSA-Test ab dem 45. Lebensjahr und ggf. auch eine Tastuntersuchung. Männern mit erblichem Risiko wird diese Untersuchung schon ab 40 empfohlen.

„Wichtig ist eigentlich, dass man die Werte in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Nur dann kann der Facharzt den PSA-Wert richtig einschätzen.“

 

 

Darmkrebs

End- und Dickdarmkrebs ist bei Männern in Deutschland die dritthäufigste und bei Frauen die zweithäufigste Tumorerkrankung. In den letzten Jahren sind die Zahlen der Neuerkrankungen in Deutschland stagniert bzw. leicht zurückgegangen, was wahrscheinlich auf die erfolgreichen Früherkennungsprogramme zurückzuführen ist. „Darmkrebs entsteht nicht von heute auf morgen. Häufig braucht es viele Jahre bis aus einem gutartigen Polypen  ein  bösartiger Tumor wird“, erklärt Prof. Dr. med. Thomas Höhler, Chefarzt der Gastroenterologie, Hepatologie und Onkologie und einer der Leiter das Darmzentrums im Stiftungsklinikum PROSELIS. „Gerade deswegen ist die Früherkennung bei Darmkrebs so enorm wichtig.“

Darmkrebs entsteht durch Veränderungen im Erbmaterial, die genetisch bedingt oder durch äußere Einflüsse gelenkt werden. „Heute weiß man, dass man selbst einige Dinge zur Vorbeugung von Darmkrebs tun kann. Dazu gehören regelmäßige Bewegung, ballaststoffreiche und fleischarme Ernährung, Verzicht auf Nikotin, eine Reduktion des Alkoholkonsums und die Teilnahme an Früherkennungsprogrammen.“
Hier ist derzeit die Darmspiegelung bei Männern ab 50 und bei Frauen ab 55 das Mittel der Wahl. Auch eine Untersuchung auf nicht sichtbares Blut im Stuhl kann (ergänzend) bei beiden Geschlechtern ab dem 50. Lebensjahr vorgenommen werden. „Durch die Früherkennungsuntersuchungen kann Darmkrebs in einem frühen Stadium erkannt werden. Dann sind die Heilungschancen gut. Häufig werden bei einer Spiegelung sogar Darmkrebsvorstufen gesehen und direkt beseitig.“

Patienten sollten sich von ihrem Hausarzt beraten lassen, denn in mit  Darmkrebs belasteten Familien werden die Untersuchungen  auch schon früher empfohlen.