Gelungenes Projekt: „Morgen gehen wir dann bis Polsum!“

Schwester Nina setzt Projektarbeit zur Erinnerungsarbeit in der Altersmedizin um - und begeistert Patient:innen, Besucher:innen und Kolleg:innen!

 

 

Gelungene Aktion: Dr. Dietmar Wulfert, Nina Priesmeyer, Melanie Mulvahill

Noch bevor die Bilder von den Handwerkern des St. Elisabeth-Hospitals Herten aufgehängt werden konnten, sorgten die großen Fotoplatten auf der Station für Altenhilfe für Gesprächsstoff: „Das ist am Schloss von Westerholt – da sind wir mit der Familie jeden  Sonntag hingegangen“ – erzählt ein deutlich über 80-jähriger Patient lebhaft einer Pflegekraft und deutet auf die Aufnahme, die in den 50er Jahren entstanden sein muss. „Und wissen Sie, wo das gewesen sein könnte?“, fragt die Schwester und deutet auf ein weiteres Bild, das noch an der Wand lehnt und darauf wartet, aufgehängt zu werden. „Na, an der Antoniuskirche – das sieht man doch sofort!“

Schwester Nina Priesmeyer schmunzelt über diese Szene, die sich so oder so ähnlich immer wieder in diesen Tagen auf der Station wiederholt. Im Rahmen einer Fachweiterbildung für geriatrische / gerontopsychiatrische Pflege hat sie dieses Projekt als praktische Abschlussarbeit konzipiert. Über 50 historische Fotografien aus Herten und Umgebung hat sie gemeinsam mit dem Stadtarchiv ausgewählt und großformatig ausproduzieren lassen. Die Fotografien hängen nun auf der gesamten Station verteilt. „Die Motive stammen in etwa aus der Zeit, als die meisten Patienten Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene waren. Die Bilder rufen Erinnerungen hervor und regen dazu an, Geschichten zu erzählen. Genau das wollen wir im Rahmen der Erinnerungsarbeit machen – behandeln wir auf dieser Station doch insbesondere Menschen mit einer demenziellen Erkrankung“, so die 25-jährige Pflegekraft. „Schon jetzt sehen wir, wie sinnvoll das Projekt aus pflegerischer, aber auch medizinischer Sicht  ist: Die Bilder stimulieren die Gedächtnisleistung und fördern so die kognitiven Prozesse im Hirn. Die Patienten wollen sich über die Bildmotive austauschen und Erinnerungen teilen. Das Prinzip ist so einfach wie effektiv“, ergänzt Oberarzt Dr. Dietmar Wulfert. Aber auch der Bewegungsapparat würde gefördert. So hätte gerade ein Physiotherapeut mit einer Patientin an den Bildern auf dem Flur Gangübungen gemacht. „Der Kollege motivierte die Patientin mit ‚Morgen gehen wir dann bis Polsum‘ und deutete auf ein Bild am Ende des Ganges. ‚Ja, bis Polsum!‘ hat sie geantwortet. Mich begeistern solche Momente“, so der Mediziner.

Rund 4.500 Euro hat das Haus in die Realisierung des Projektes investiert. „Weder hier im Haus noch im Stadtarchiv musste ich lange um Zustimmung werben“, freut sich Nina Priesmeyer. In einigen Wochen wird sie dieses Projekt dann im Rahmen einer Abschlussprüfung detailliert einem Fachgremium erläutern. Etwas aufgeregt sei sie schon, gesteht sie dann auch ein – bilden doch die verschiedenen Prüfungen den Endpunkt einer zweijährigen berufsbegleitenden Fachweiterbildung, die vom Haus gefördert wurde. „Keine Sorge, Nina – das Projekt zeigt doch eines eindeutig: Du hast erkannt, welche Maßnahmen unseren Patientinnen und Patienten ganz konkret helfen und hast es super umgesetzt. Das werden auch deine Prüfer erkennen“, beruhigt Dr. Wulfert. Schwerster Nina ist es nur zu wünschen.